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Nord-Griechenland

Juni 2003

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Samstag, 07.06.03

Aufgrund des zu erwartenden Pfingst-Reiseverkehrs beschlossen wir, die Reise um Mitternacht zu beginnen. So rechneten wir damit, allfällige Staus ohne Stress zu überstehen und trotzdem bis spätestens um etwa fünfzehn Uhr in Ancona anzukommen. Für Camping on Board muss man ja bekanntlich drei Stunden vor Abfahrt, d.h. in unserem Fall um 16:00 Uhr einchecken.
Nachdem ich gestern die letzten Vorbereitungen getroffen hatte, legte ich mich um 15:30 Uhr schlafen, damit wir um Mitternacht mit einem einigermassen ausgeruhten Chauffeur losfahren konnten. Im Nachhinein stellte sich dies allerdings als Trugschluss heraus. Da ein Schlafen während des Tages kaum möglich ist, kam die Krise dann halt doch irgendwann während der Fahrt!
Nun zum Reiseverlauf: Leider brachten wir es nicht fertig, pünktlich um Mitternacht loszufahren. Aus diesem Grund erwischt uns das Mitternachtsgewitter genau beim Nummern montieren am WOMO. Komischerweise scheint Petrus zu denken, dass ich zuwenig sauber sei. Wir müssen nämlich nur gerade bis zur Autobahnauffahrt Richtung Chur fahren, bis das Gewitter vorbei ist! Nachher haben wir die ganze Fahrt nie mehr Regen. Die Reise durch den San Bernardino bis an die Landesgrenze verläuft reibungslos, obschon doch etliche Fahrzeuge unterwegs sind. Am Rastplatz Coldrerio versuchen wir vergebens, einen Parkplatz für unsern "Schnuuf" zu finden. Sämtliche Plätze sind - durch zum Teil idiotisch parkierende Zeitgenossen - belegt! Aus diesem Grund müssen wir notgedrungen auf unseren Kaffeehalt verzichten. Auch dies ist natürlich kein Problem. Dank der integrierten Küche kann der Chauffeur durch die zur Bordaustattung gehörende Hostess Mary mit dem lebensnotwendigen schwarzen Gebräu versorgt werden. Wie schon erwähnt, meldet sich dann irgendwann während der Fahrt auch der Schlaf. Ein nächstes Mal werden wir am Vorabend (direkt nach der Arbeit) bis irgendwo in den Tessin fahren und dort ein paar Stunden schlafen.
Unterwegs muss auch noch der Durst von "Schnuuf" gestillt werden. Gemäss den Empfehlungen des ADAC-Sicherheitstrainings-Instruktors fahren wir nämlich nicht einen vollen Tank "über die Berge". Während der ganzen Fahrt haben wir auf der Strasse keinerlei Probleme. Wir fahren zwar an einem schwerst beschädigten Unfallfahrzeug vorbei. Dort hat die abrückende Feuerwehr wahrscheinlich einiges zu tun gehabt! Kurz nach Modena hören wir im Radio, dass sich hinter uns ein ungefähr fünf Kilometer langer Stau gebildet hat. Bei der Ausfahrt nach Ancona sehen wir dann noch, dass neben uns der Verkehr auf beiden Spuren zum Stillstand kommt. Da wir überall gut durchkamen, sind wir bereits um halb Neun Uhr morgens im Hafen von Ancona.

Nach diversen Vor- und Rückfahr-Manövern finden wir einen Parkplatz direkt neben der Anlegestelle unserer Fähre. Aber auch hier müssen wir nochmals weichen. Ein Hafenarbeiter erklärt uns mit Händen und Füssen, dass genau hier das Vorseil für das Ankertau runtergeworfen werde! Also nochmals umparken und schauen, was dann geschieht. Und es ist tatsächlich ein interessantes Spektakel das geboten wird. Wir können uns nämlich kaum sattsehen am Fähren-Ameisenhaufen. Was da alles aus dem Bauch des Schiffes hervorquillt ist fast unheimlich. Mehrere hundert Lastenzüge, Autos, Campingfahrzeuge und Motorräder verlassen den dunklen Bauch des Kolosses. Was für ein Durcheinander auf dem Kai! Uns kommt es jedenfalls so vor. Da wir ja noch viel Zeit haben, schauen wir beim anschliessenden Neubeladen der Fähre zu. Der Hafenmeister und seine "Pfeifenmänner" dirigieren virtuos Fahrzeug um Fahrzeug vorwärts oder rückwärts in den Schiffsbauch. Auch beim Beladen staunen wir, was da alles in der Fähre verschwindet.

Nach der Abfahrt der Mittags-Fähre dürfen auch wir um zwei Uhr in den Bereitstellungsraum fahren. Als dann endlich der Zeitpunkt für unser Boarding kommt, stellte sich für uns nur eine Frage: Kriegen wir einen guten Platz auf dem Campingdeck? JA, wir haben ihn gekriegt! Wir können uns ganz aussen in die zweite Reihe stellen. Dies ist absolut herrlich, sind wir doch so an der frischen Luft. Nachdem wir uns mit Strom versorgt haben, gehen wir sofort auf das zweitoberste Deck. Wir schauen von dort oben (gemütlich neben der Bar sitzend) nochmals zu, wie eine Fähre beladen wird. Nach Abfahrt der Fähre ziehen wir uns in unsere Behausung zurück und legen uns bald schlafen.
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Sonntag, 08.06.03

Trotz der im Alkoven spürbaren Schiffsbewegungen haben wir wie die Murmeltiere bis in die späteren Morgenstunden hinein geschlafen. Nach dem Aufstehen und der Morgentoilette trinken wir an der Bar den obligatorischen Morgenkaffee. Anschliessend verziehen wir uns aufs oberste Deck und geniessen dort die Sonne.
Bei der Planung hatte ich mir vorgenommen, nach der Ankunft nur eine kurze Etappe einzuplanen, um so allfällige Verspätungen der Fähre auszugleichen. Ich hatte es geahnt: Wir kommen fast anderthalb Stunden später als geplant an! Da ich von unserer Motorradreise im Herbst 2001 her den Weg noch kenne, war es kein Problem, die Strasse nach Rion zu finden. Auch im dortigen Hafen weiss ich, welches Kai anzufahren ist.
Doch jetzt beginnt die Unsicherheit: Welche der bereitstehenden vier Fähren fährt nach..... Oh, wie heisst jetzt wieder der Zielhafen? Ich versuche es zuerst mit dem "Beladechef" der grössten Fähre: "Does this ferryboat goes in direction to Delfi?" Achselzucken! Nächster Ansprechpartner ist der Chauffeur des soeben auf die Fähre zufahrenden Busses. Wieder Ratlosigkeit! Der Verkäufer des fahrenden Verkaufsstandes schickt mich mit einem zahnlosen Lächeln auf den anderen Kai rüber. In diesem Moment kommt der Beladechef auf uns zu uns ruft:"Come, come, ferry to ANDIRIO!".
Auf dieser Fähre gibt es natürlich kein Campingdeck. Aus diesem Grund muss ich mich zwischen zwei Reihen Lastwagen zwängen. Auf beiden Seiten habe ich mit den Spiegeln knapp zehn Zentimeter Platz bis zu den Lastwagen. Zum Glück werden wir vom Personal eingewiesen. Da der Platz so knapp ist, können wir während der Überfahrt gar nicht aussteigen. So verpassen wir auch das Anlegen auf der anderen Seite des Kanals. Plötzlich gibt uns die Autofahrerin vor uns mit Handzeichen zu verstehen, endlich rauszufahren. Doch oh Schreck! Niemand lotst uns zwischen den Lastwagen zurück. Wie bin ich jetzt froh, dass ich im letzten Moment vor den Ferien noch die Rückfahrkamera eingebaut habe! Mit dieser geht es wirklich gut, ohne Hilfe durch die Lastwagen-Gasse zurück zu fahren.
Nach dem Verlassen des Schiffes konsultieren wir zunächst einmal die Karte. Dieses Riesenstück gefaltete Informationen kann nur im Stand und zu zweit bedient werden. Zuerst links, dann nächste Kreuzung rechts und ab Richtung Delfi!
Die Küstenstrasse ist recht abwechslungsreich und zeigt nach jeder Biegung wieder ein anderes Gesicht. Überall blühen Oleander und Ginster. Welch eine Farbenpracht! Kurz vor Itea ist plötzlich die ganze Landschaft rotbraun. Was mag das wohl sein? Wie wir später erfahren, handelt es sich hierbei um Bauxit-Minen. Sobald man sich dann Itea nähert, findet wieder ein totaler Farbenwechsel statt. Die Ortschaft erstrahlt in glänzendem Weiss.
Im Internet hatte ich drei Campingplätze gefunden, die für uns geeignet schienen. Den ersten lassen wir schon aufgrund der Zufahrt "links liegen". Beim zweiten passt alles. Der DELPHI CAMPING (--> Homepage) liegt an einer wunderschönen Lage, ist relativ klein, aber mit guten sanitären Anlagen. Auch die Platzbetreiber sind sehr freundlich und bemüht, den Gästen alle Wünsche zu erfüllen. Wir haben uns auf jeden Fall richtig entschieden, was die Ansicht des dritten Platzes auf der Weiterfahrt bestätigt, da auch dieser nicht unseren Vorstellungen entspricht.
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Montag, 09.06.03

Heute fahren wir weiter Richtung Thessaloniki. Da wir etwas von Griechenland sehen möchten, haben wir uns entschlossen, die Berge zu überqueren und zu umfahren. Wir fahren deshalb weiter aufwärts nach Distomo (ist im Winter ein griechischer Skiort). Nachher geht es wieder abwärts in Richtung Livadia. Anschliessend fahren wir auf der anderen Seite des Gebirges über Amfiklia nach Bralos. Dort zweigen wir rechts Richtung Autobahn ab. Auf dieser geht s dann Richtung Thessaloniki. Hier fällt uns vor allem auf, dass sehr viele Autobahnteilstücke im Bau sind. Im Hinblick auf die olympischen Spiele im nächsten Jahr muss noch sehr viel vollendet werden!

Eingangs Thessaloniki zweigen wir links auf die "Ring Road" ab, welche die Stadt umfährt. Die Planer haben hier auch einige Fehler gemacht, sind doch am Anfang praktisch an jeder Einfahrt Lichtsignale. Dadurch wird ein guter Verkehrsfluss total ausgebremst.
Bei Nea Moudania zweigen wir dann links ab und erreichen bald einmal unser heutiges Ziel Kalives. Hier werden wir bereits von unseren Freunden Ioannis und Fränzi vom Kalives Beach Hotel erwartet.
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Dienstag, 10.06.03

Was für eine Sch.. Idee wir gestern Abend noch hatten! Mary wollte unbedingt am Morgen früh an die Beach runter gehen (immer dieser Ouzo!). Natürlich habe ich ihr zugestimmt und sie heute morgen um halb Sieben geweckt. Als wir unser WOMO verlassen, sperrt Ioannis gerade das Hoteltor auf. Wir gehen runter zum Strand und dort passiert wieder mal ein Ungeschick: Der relativ grobe Sand und unsere Badeschlappen wirken zusammen wie Schmirgelpapier. Unsere ach so feinen Zehen danken uns dies mit mehreren offenen Stellen, die uns in den nächsten Tagen ziemlich behindern werden. Als wir um neun zum Morgenessen erscheinen, will uns Fränzi nicht glauben, dass wir schon lange auf sind. Ersts Ioannis Bestätigung, dass wir gewartet hätten bis er das Tor öffnete, befriedigt sie. Der heutige Tag vergeht natürlich extrem schnell, gibt es doch viel zu erzählen. Am Abend werden wir mit einem herrlichen Pastitsio aus der Hotelküche verwöhnt. Leider sind Andere von uns ebenso begeistert: Wir werden von den Mücken umschwärmt. Vor allem das neue Au-Pair Andrea wird fast leergesaugt.
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Mittwoch, 11.06.03

Heute habe ich eine verantwortungsvolle Aufgabe. Ioannis hat aus der Schweiz einen Roboter mitgenommen. Mit diesem "Pool-Boy" kann der Grund des Hotel-Pools von Schlamm befreit werden, welcher beim Befüllen des Pools aus den Wasserleitungen kommt. Da sich Ioannis um die Hotel-Angelegenheiten kümmern muss, übernehme ich die manuelle Steuerung des von Fränzi "Emma" getauften Roboters. Dabei passiert mein nächstes Missgeschick. Ich rutsche am Poolrand aus und falle in den Kinderpool. Hier schlage ich mit dem Rücken auf dem Rand auf und fange mir eine Prellung und viele,viele bunte... Flecken, nicht Smarties ein. Nach der erfolgreichen Reinigung des Pools gilt es für uns schon bald wieder Abschied zu nehmen. Unser nächster Übernachtungsort soll irgendwo auf Sithonia (zweiter Chalkidiki-Finger) liegen. Im Prospekt (Sunshine Camping Club), den wir in Delfi auf dem CP erhalten haben, sind zwei mögliche Plätze verzeichnet. Da uns der erste Platz überhaupt nicht gefällt, beschliessen wir, auch andere Plätze anzuschauen. Leider werden wir nicht fündig. Als wir bereits leicht ungeduldig werden, taucht endlich der zweite Club-Platz auf. Dieser entspricht unseren Erwartungen recht gut. Vor allem finden wir einen tollen Strand vor, ebenso sind die sanitären Anlagen gut. Weitere Angaben zum Armenistis Camping in Akti siehe Homepage.
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Donnerstag, 12.06.03

Den heutigen Tag geniessen wir mit faulenzen und waschen. Zum Waschen gibt es hier noch eine Episode zu erzählen: Da wir nicht wissen, ob und wo man Jetons für die Waschmaschine herbekommt, gehen wir im Mini Market fragen. Ich versuche mich mit Englisch mit der Kassiererin zu unterhalten. Diese weiss nicht, was ich will und ruft ihren Chef. Nochmals versuche ich, unser Anliegen vorzubringen. Plötzlich fragt mich der Chef: "Do you speek English?" Ich mache dies jetzt schon etwa zehn Minuten!
Am Abend können wir auf dem gegenüberliegenden Athos ein Gewitter beobachten.
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Freitag, der 13. 06.03

Entgegen der schlechten Kombination von Wochentag und Datum beginnt der Tag recht gut: Die verspätet und verschlafen eintreffende Receptionistin gibt uns 20% Rabatt. Sie erklärt uns, dass wir den Sunshine-Prospekt bei jedem angeschlossenen Campingplatz vorweisen können und so Rabatt erhalten. Danke!
Bei der Fahrt Richtung unser Endziel Thassos hat dann aber der Dreizehnte doch noch gnadenlos zugeschlagen: Wir haben uns mehrfach verfahren.Eigentlich wollten wir über Agios Nikolaos / Pirgadikia / Megali Panagia / Paleohori / Stratoni / Stavros fahren. Aber eben, wir wollten!
Bis Pirgadikia läuft alles wunderbar. Wir können uns sogar erinnern, dass wir vorletztes Jahr mit dem Motorrad in genau diesem Ort auf dem Hauptplatz schon einmal Halt gemacht hatten. Da wir uns damals hier irrten, wissen wir, dass wir nach dem Dorfplatz scharf nach links abbiegen müssen. So weit so gut. Ein Stück vor Megali Panagia passiert dann aber der Fehler. Da die Wegweiser nur griechisch angeschrieben sind, zweige ich fälschlicherweise rechts ab und fahre schlussendlich über Gomati nach Ierissos. Dort fahren wir dann wieder Richtung Stratoni / Arnea. In Stratoni schlägt dann der Freitag wieder zu. Obschon wir im Dorf fast jede Seitengasse befahren und immer wieder umkehren (gut hat man eine Rückfahrkamera), finden wir den gesuchten Weg nicht. Also weiter Richtung Arnea. Auf der Karte habe ich gesehen, dass vor Neohori wieder eine Nebenstrasse Richtung Olimbiada führt. Doch Oh Schreck. Plötzlich stehen wir an einer Abzweigung mit einem Tafelwald (halbe Strassenbreite gesperrt, Stoptafel, Verengungstafel, handgemalte griechische Hinweise). Was nun? Augen zu und durch scheint die einzig mögliche Lösung zu sein. Wir fahren über eine schmale Strasse (wenden unmöglich) steil bergab. Plötzlich taucht vor einer Kurve wieder die Tafel Fahrbahn-Verengung auf. Wir stehen mitten in einer Naturstrassen-Baustelle. Doch alles geht gut. Nach der Baustelle sind ausser der steil abfallenden Strasse und den massenhaften Kurven keine weiteren Hindernisse. Der nächste Wegweiser zeigt endlich wieder einmal in Richtung Stavros! Von hier aus gelangen wir dann ohne Probleme über Autostrasse/Autobahn Richtung Keramoti. Endlich erscheint die Tafel, die uns den Weg zu Flugplatz und Thassos weist. Wir verlassen die Autobahn und fahren Richtung Meer. Da wir von unserem Internet-Kollegen auf den Lidl-Markt in Hrissoupoli aufmerksam gemacht wurden, werde ich vom Dreizehnten ein letztes Mal erwischt: Prompt verpassen wir die Abzweigung und müssen etwa vier Kilometer zurückfahren. Beim Ausssteigen aus dem klimatisierten WOMO wird uns eigentlich erst richtig bewusst, dass es sehr heiss ist.

Zum Glück müssen wir bei der Ankunft in Keramoti nur ungefähr zwanzig Minuten warten, bis wir auf die Fähre fahren können.

Auch hier wieder werden wir millimetergenau eingewiesen. Für mich fast ein Wunder, dass kein einziges Auto mit mehr Beulen als vorher herumfährt!
Da die Insel Thassos nur etwa acht Kilometer vom Festland entfernt liegt, kann man schon sehr bald deren Umrisse aus dem Wasser aufsteigen sehen.

Schon bald legen wir in Limenas (amtlich Thassos-Stadt) an. Einmal mehr ist die Beschilderung relativ schlecht. Doch diesmal lasse ich mich nicht mehr erwischen. Ich drehe nochmal eine Runde zum Hafen hinunter. Dort kann ich auf dem Hauptwegweiser nochmals schauen, wie Panagia auf griechisch geschrieben wird. So können wir uns nachher richtig einordnen und finden dann auch im Ort auf Anhieb die Abzweigung Richtung Golden Beach. Unten angekommen braucht es dann allerdings noch ein mal ein Wendemanöver (mit umgekippter Mülltonne), bis wir die Platzeinfahrt gefunden haben.

An der Reception beginnt dann ein unerwarteter Nervenkrieg: Als ich der Empfangsdame meine Identitätskarte (schweizerischer Personalausweis) vorlege, verlangt sie meinen Pass. Ich erkläre ihr, dass für Schweizer Bürger in Griechenland die ID-Karte als amtliches Dokument genüge. Aus diesem Grund brauche ich gar keinen Pass mitzuführen. Denkste! Als Betreiberin des Campingplatzes verlange die Gemeindebehörde von Panagia seit diesem Jahr die Vorlage eines Passes. Alle Argumente in Richtung ignorieren des geltenden internationalen Rechtes von Seiten der Gemeindebehörde wurden von der Dame nicht zur Kenntnis genommen. Ihre einzige Antwort: "I need my job". Schlussendlich holte ich dann doch den sicherheitshalber mitgeführten Pass! Für mich ist damit die Angelegenheit aber noch nicht erledigt. Es darf doch nicht wahr sein, dass sich irgendwelche Lokal-Helden einfach so über internationale Abmachungen hinwegsetzen können!
Nichts desto trotz: Der Platz ist SUPER! Die sanitären Anlagen werden drei- bis viermal täglich gereinigt. Die Duschen sehen zwar ältlich aus, funktionieren aber alle. Ebenso ist der Küchen- und Abwaschbereich gut.
Der MiniMarket verfügt über die notwendigen Lebensmittel (Brot, Gebäck, etc.). Direkt vor dem CP-Tor sind zwei Restaurants, ein grössserer Markt und ein Geschenk-Shop. Von den Leuten her scheint es ziemlich ruhig zu sein.

Golden Beach Camping, Panagia

Eingangsbereich

Am Abend besuchen wir das erste Restaurant (Pizza). Da wir vorher schon einen Apero genossen, haben wir zu wenig Appetit für die Riesen-Pizzas und müssen die Hälfte stehen lassen.
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Samstag, 14.06.03

Heute ruhen wir uns im Schatten unserer wunderschönen Markise aus und geniessen das Nichtstun (gerätselt und gelesen wird natürlich trotzdem). Im Laufe des Nachmittags gehen wir auch den supersauberen weissen Sandstrand testen. Auch das Wasser ist kristallklar. Die Lufttemperatur liegt tagsüber um die 34 Grad. Nachts geht die Temperatur leider nur bis knapp über zwanzig Grad zurück.
Heute abend wird zuhause gegessen. Da Mary nicht kochen will, gibt es halt nur einen schweizerisch-griechischen Salat mit etwas Salami und Brot. Nach dem Nachtessen erkunden wir noch die nähere Umgebung. Wir stellen fest, dass am nördlichen Anfang der Bucht (nach der Kipp-Tonne) einige Restaurants sind. Beim Rückweg leuchtet uns der Vollmond heim.
Apropos ruhiger Platz: Das griechische Pfingstwochenende hat begonnen! Plötzlich sind sehr viele und laute Leute auf dem Camp. Neben uns nisten sich abends um 23 Uhr noch vier Personen mit einem Autozelt, einem Iglou-Zelt und einem Party-Zelt ein. Das ganze Aufstellen der Menagerie wird natürlich von einem viel zu laut eingestellten PumPum-Autoradio und lautem Gerede untermalt. Hoffentlich bleiben diese rücksichtslosen Typen nicht vierzehn Tage!
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Sonntag, 15.06.03

Tagwache ist heute um 5:30, da wir den Sonnenaufgang am Strand unten sehen und filmen wollen. Wir treffen am Strand unten auch drei Frauen, die anscheinen dort übernachtet haben. Bereits werden auch schon Liegestühle und Sonnenschirme in Reih und Glied aufgestellt. Diesmal bewegen wir uns ans andere Ende der Bucht, dh. nach Skala Potamias. Auch hier hat es wieder einige Restaurants, die wir gelegentlich "durchtesten" werden.
Auf dem Platz ist heute die reinste Völkerwanderung. Die Leute von Nah und Fern scheinen alle in unserer Bucht baden zu wollen. Dabei wird rücksichtslos jeder Zentimeter schattiger Strasse innerhalb des Campingplatzes zum Parken ausgenutzt. Man kommt bald nicht mehr auf die eigene Parzelle!
Heute Abend haben wir den Tip von Ulrich Herzog ausprobiert und sind ins Sortiris essen gegangen, was sich gelohnt hat.
PS: Mücken sollte es eigentlich heute Abend keine haben. Unsere rücksichtslosen Nachbarn haben mit dem ausgeborgten Grill sicher sämtliche vertrieben!!
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Montag, 16.06.03

Heute Morgen werden wir um 08:30 Uhr durch laute Motorengeräusche geweckt. Was ist los? Ein erster Blick aus dem Fenster zeigt, dass direkt vor unserem WOMO zwei Reisecars voller Leute stehen. Eilends kleiden wir uns an, damit wir aus der Nähe feststellen können, was das Ganze soll. Das Rätsel löst sich bald auf: Neben uns steht eine ganze Reihe mit Einheits-Zelten. Diese sind anscheinend von einem slowakischen Reiseveranstalter belegt. Heute findet nun der Austausch der Leute statt. Zwei Cars voll mit Neuen gegen zwei Cars mit Alten! Dabei sind insbesondere die Alten zu bedauern, mussten sie neben dem Abschieds-Schmerz auch noch die Wartezeit bis zur Abfahrt (17:30 Uhr) überstehen!
Nach dem Morgenessen haben wir zum ersten Mal unser "Schnüüfi" ausgeladen. Sofort hat unser 125-erli etliche Blicke auf sich gezogen. Entgegen unserer Überzeugung haben wir uns doch nicht in die mitgeführten Sommer-Töffklamotten gestürzt. Auch wir sind mit kurzer Hose und T-Shirt auf den Weg Richtung Küstenstrasse gestartet. Im Gegensatz zu den anderen Roller-, Enduro- und sonstigen Töff-Fahrern haben wir uns aber wenigstens zusätzlich mit knöchelhohen Schuhen, Nierengurt und Helm ausgerüstet! Dieser Ausflug hat sich gelohnt, haben wir doch schon einiges unserer Insel zu sehen bekommen. Mehrere der gesehenen Buchten verdienen es, dass wir sie "erfahren". Im Hafen von Potos haben wir wieder eine lustige Begebenheit erlebt: Wir sitzen gemütlich in der Gartenbeiz der Pizzeria Irene. Als wir bezahlen wollen, erkläre ich Mary, dass ich einen Zehn-Euro-Schein bereitlegen werde. Der Kellner, der bei unserer englischen Bestellung unserer Meinung nach Mühe hatte, werde uns den Preis sicher kaum angeben können! Doch wie gross ist unsere Überraschung als er für die Getränke "zwei Euro siebzig Cent" verlangt. Auf unsere Frage nach seinen guten Deutschkenntnissen erklärt er uns, in Deutschland aufgewachsen und nun nach Griechenland gezogen zu sein. Es ergibt sich ein ganz nettes Gespräch. Beim Abschied stellt er fest, dass wir Helme tragen. Seine Frage: "Wisst ihr, warum die Griechen keine Helme tragen?" "Weil sie nichts zu schützen haben"!
Auf unserer Rundfahrt möchten wir eigentlich auch die anderen Campingplätze auf der Insel ansehen. Leider finden wir die meisten gar nicht! Einzig den EOT-Platz auf Neos Prinos haben wir gefunden. Aber in was für einem Zustand. Die Anlagen scheinen (noch) gar nicht in Betrieb zu sein, werden aber irgendwie renoviert. Auf dem ganzen Platz waren immerhin zwei deutsche Wohnwagen anzutreffen. Am Empfang hängen an den Scheiben immer noch die ADAC-Auszeichnungen, allerdings nur bis 1997!
Limenas haben wir auch noch kurz besucht (erstes Mal für Banana Split, zweites Mal wegen der "Einkaufsstrasse"). Am Hafen unten ist ein Riesenverkehr, da alle Leute auf die Fähre wollen. Bis ein Stück ausserhalb von Limenas hat sich eine Blechschlange aufgebaut. Sobald wir auf den Campingplatz zurück kommen, ist uns klar wieso: Das verlängerte Pfingstwochenende ist vorbei und die Leute müssen zurück aufs Festland! Ruhe ist eingekehrt!!
Kommt es heute Abend regnen? Aufgrund der schon in Limenas festgestellten Dunkelheit und des starken Windes könnte man es meinen.
PS: Es kam nicht
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Dienstag, 17.06.03

Heute habe ich mich nach dem Morgenessen endlich dazu hinreissen lassen, den Laptop auszupacken. Hiermit beendige ich um ungefähr sechzehn Uhr die Berichterstattung bis zum heutigen Tag und gehe jetzt blitzartig ins Wasser (hähähä).
Nachtrag zum heutigen Tag: Abends um 22 Uhr ist dann auch von oben noch etwas Wasser gekommen (zwar nur ein paar Tropfen). Es hat aber gereicht, dass die Nachttemperaturen um drei bis vier Grad heruntergekommen sind.
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Mittwoch, 18.06.03

Das Wetter zeigt sich eher von der bedeckten Seite. Aus diesem Grund beschliessen wir, meinen Internet-Bekannten Ulrich Herzog zu überfallen. Er hat bei seinem letzten E-Mail vor den Ferien angekündigt, dass er in dieser Zeit sein Haus hier unten einrichten werde. Auf Grund der in seiner Einladung ("komm doch einmal vorbei") gemachten Wegbeschreibung glaube ich, den richtigen Weg zu kennen. Wir machen uns (natürlich zu Fuss, damit unser Fitnessprogramm nicht zu kurz kommt) auf den Weg. Nachdem wir uns zweimal mit Händen und Füssen die Bestätigung einholen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, treffen wir auf der Baustelle ein. Gross ist die Überraschung von Ulli und seinem Bruder, als plötzlich zwei ""Helveticos" eintreffen, die bei der Hausreinigung stören. Wir sind begeistert von der Aussicht und es ergibt sich eine angeregte Diskussion. Gerne bestätige ich Ulli, dass seine per E-Mail gegebenen Tipps (Campingplatz Golden Beach, Restaurant vor dem CP, Restaurant Sotiris, etc.) alle Gold wert sind. Er empfiehlt uns in Skala Potamias noch die "Taso's Taverna". Diesmal ist unser Forscherdrang aber schneller gewesen, haben wir doch bereits gestern Abend dort gegessen! Um die beiden Herzog-Brüder nicht all zu lange von ihrer Arbeit abzuhalten, verabschieden wir uns bald einmal wieder. Da die beiden ebenfalls auf dem Campingplatz logieren, werden wir uns sicher nochmals begegnen.
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Donnerstag, 19.06.03

Was sagt uns der Begriff "Ipsarion"? Im Moment noch (fast) gar nichts. Ulli hat uns gestern lediglich erklärt, dass hinten herum eine Strasse auf den höchsten Berg der Insel führe. Er habe diesen Berg einmal per Roller bezwungen. Nachdem wir heute nach dem Morgenessen nochmals die Karte konsultierten, steht der Entschluss fest: Wir wollen mit "Schnüüfi" auf den Berg! Diesmal fahren wir von Chrisi Amoudia aus links herum um die Insel. Wir wollen unterwegs auch noch die restlichen Campingplätze suchen und anschauen. Dabei kann ich es gleich vorwegnehmen, dass wir enttäuscht sind! Der erste Platz in Limenas ist geschlossen (immer noch Vorsaison?) und die restlichen, die wir überhaupt finden (schlechte Beschilderung) können uns nicht sonderlich begeistern. Danke Ulli für den Tipp mit dem Golden Beach Camping! Doch nun zurück zum Ipsarion. Unsere Fahrt mit dem kleinen Töff führt uns entlang von traumhaften Buchten um ungefähr die halbe Insel bis nach Skala Marion, das im Westen liegt. Hier müssen wir rechts von der Hauptstrasse runter und dann sofort links (unter der Hauptstrasse hindurch) abzweigen, um das Mutterdorf Maries zu erreichen

Die Fahrt durch das Hinterland ist sehr schön, führt sie doch durch uralte Olivenhaine, in denen auch Ziegenherden unterwegs sind. Uns fällt auf, dass die einheimischen PW- und Lastwagenlenker beim Passieren der Ziegen ihr Tempo kein bisschen drosseln. Gelten darum auf Thassos gebratene Ziegen als Leckerbissen? Nein, die Ziegen haben sich dem Verkehr angepasst und springen sofort von der Strasse weg, sobald sie ein Fahrzeug hören!
Nach ungefähr zwölf Kilometern erreichen wir das auf 200 m gelegene Maries. Eingangs Dorf wählen wir die rechte Strasse und gelangen an der Taverne Bethel vorbei auf eine Sand- und Schotterpiste. Diese führt entlang eines kleinen Flusses und eines Mini-Seeleins weiter empor. Am Strassenrand sind sehr viele Bienenkästen aufgestellt.

Nach ungefähr vier Kilometern "Einfahrstrecke" finden wir den nächsten (und letzten nicht neugriechisch angeschriebenen) Wegweiser. Dieser schickt uns rechts auf den Ipsarion. Die Distanzangabe lautet zwölf Kilometer. Wie es sich herausstellen wird, sind es lange Kilometer für Mensch und Maschine (und vor allem den Beifahrerinnen-Hintern). Die Piste wird nämlich im obern Teil immer mehr zum Bachbett, das heisst der Schotter wird immer grösser und die Löcher immer tiefer. Glücklicherweise übe ich jedes Jahr im Motorrad-Sicherheitstraining das langsamst-Fahren über Hindernisse. Jetzt weiss ich endlich, was mit einer kleinen 125er-Enduro und Beifahrerin alles möglich ist! Vor allem das oberste Stück unterhalb des Gipfels stellt nochmals höchste Anforderungen, da die Strasse sehr steil und fast nur noch Bachbett ist.

Nach Überwindung der gut 1000 Höhenmeter lässt einen die sagenhafte Aussicht auf dem Gipfel das malträtierte Sitzleder vergessen. Von hier oben sieht man die Hügel der Westseite ebenso wie die ganze Golden Beach, die nun direkt unterhalb der steil abfallenden Felsen sichtbar ist. Einzig die Ruine der Radarstation trübt das ganze Bild etwas. Hoffentlich werden die Resten des Stahlskeletts bald entfernt! Leider breiten sich die schon beim Hochfahren sichtbaren schwarzen Wolken immer mehr aus. Da wir nicht so gerne durchnässt werden möchten, beschliessen wir, sofort den Rückzug anzutreten. Auf den ersten Metern des Gipfelhanges wird mir eines klar bewusst: Hände weg von der Vorderrad-Bremse. Wo vorher das Hinterrad durchdrehte, möchte nun plötzlich das Vorderrad seitwärts weg. Also aufgepasst und konzentriert und langsam fahren.

Rund um den Ypsarion

Am Ende der Schotterpiste legen wir einen kurzen Erfrischungsaufenthalt in der Taverne Bethel ein. Da unsere Kehlen vom Staub total ausgetrocknet sind, ignorieren wir die Lippenstift-Spuren auf den Gläsern und stürzen unser Mineralwasser hinunter.

Auf der Rückfahrt schauen wir uns noch die Livadi Beach an. Diese liegt unterhalb des Klosters Moni Archangelou auf der Südseite der Insel und ist vor allem bei Wildcampern bekannt. Im Moment steht nur ein einzelnes deutsches Wohnmobil unten. Beim Hochfahren auf die Küstenstrasse dann die böse Überraschung: Sogar mit der Enduro komme ich nicht im ersten Anlauf die Sand-Steilrampe hoch. Mary muss abspringen, da "Schnüüfi" haltlos rückwärts rutscht. Alleine und mit viel Schwung, gelingt es gerade noch, die Hauptstrasse zu erreichen. Der uns nachfolgende einheimische 4x4-Pickup kommt mit vollem Dampf von unten her, sodass meine Partnerin hochrennen muss! Auf Grund der gemachten Erfahrungen fragen wir uns, wie der Deutsche mit seinem grossen Wohnmobil diese Strecke schaffen soll. Ob er wohl Abschlepphilfe brauchen wird?
Der Rest der Rückfahrt verläuft problemlos. Wir sind froh, endlich unsere Hintern entlasten zu können.

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Freitag, 20.06.03

Heute nach dem Morgenessen fahren wir kurz nach Limenas. Wir gehen "shoppen", da wir den Enkelkindern was mitbringen wollen.
Bei der Rückkehr aus Limenas erwartet uns eine Überraschung. Auf dem Stellplatz neben uns hat sich in der Zwischenzeit der deutsche Wohnmobilist aus der Livadi Beach einquartiert. Sofort erkundigen wir uns, wie er die Auffahrt aus der Bucht geschafft hat. Wie wir vermutet haben, musste auch er alle Kunst anwenden, um hochzukommen. Er bestätigt uns, dass er mit durchdrehenden Rädern gerade noch auf die Hauptstrasse hochgekommen sei.
Den Rest des Tages verbringen wir im Schatten und lesen und spielen.
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Samstag, 21.06.03

Auch Heute ist Ruhetag im Schatten.
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Sonntag, 22.06.03

Wir beschäftigen uns intensiv mit Reiseführer- und Karten-Studium. Morgen werden wir die Insel verlassen. Unsere Rückfrage bei der Reception zeigt, dass wir nicht mit der Kreditkarte bezahlen können. So steht nochmals ein Fussmarsch zur Kalorienverminderung und Geldbeschaffung auf dem Programm. Wir wissen ja, dass fast vor Ullis Haustüre in Skala Potamias das blaue EC-Häuschen zu finden ist!
Bei der Rückkehr auf den Campingplatz muss ich noch kurz die vier jugendlichen Griechen auf der Nachbarzelle ins Gebet nehmen. Bis jetzt haben wir immer geschwiegen, auch wenn die Bengel absolut keinen Anstand haben. So läuft der ganze Tag ihr CD-Player auf Hochtouren. Ebenso wird in den frühen Morgenstunden nach den Strandparties hemmungslos auf der Strasse gelärmt. Nachdem nun aber die Lümmel mit ihren Holzschlägern und dem Tennisball direkt vor uns am Spielen sind, reisst mir der Geduldsfaden: Ungefähr zum vierten oder fünften Mal knallt der Ball an unser WoMo. Ich erkläre ihnen, dass ich eigentlich nicht ein Wohnmobil gekauft hätte, um es von ihnen verbeulen zu lassen. Beleidigt ziehen die Bengel ab an den Strand.
Zum letzen Mal gehen wir heute Abend nach Chrisi Amoudia und essen in der Taverne Sotiris. Endlich gelingt es uns noch, nach dem Abendessen den Fischerhafen kurz anzuschauen. Falls wir jemals wiederkommen sollten, werden wir diesen Ort bei Tag und ausgiebig besuchen!
Nach dem Essen kommt die Arbeit. Wir verstauen unsere Camping-Möbel und machen das Innere des Wohnmobils "kurven- und bremsfest", bevor wir unseren letzten Ouzo auf der Insel geniessen.
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Montag, 23.06.03

Um 6:30 Uhr ist Tagwache. Wir möchten um sieben Uhr frisches Brot im Mini-Market holen, doch dieser ist leider noch geschlossen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als auf unseren Notvorrat zurück zu greifen und uns mit Knäckebrot zu behelfen. Nach dem Morgenabwasch gehen wir unseren PASS abholen und bezahlen den Campingplatz. Um ungefähr viertel nach Acht fahren wir los in Richtung Limenas. Die nächste Fähre fährt um 9:30 Uhr. Wir haben gut gewählt, können wir doch mit der neuesten Fähre (Thassos VII) fahren, die über einen absolut fabelhaften Salon verfügt. Hier können wir bequem in Leder-Fauteuils im klimatisierten Raum unser Mineralwasser trinken und ein letztes Mal die Aussicht auf die Insel geniessen. Nach der Ankunft auf dem Festland ergänzen wir in Hrissoupoli bei Lidl nochmals unsere Bordvorräte. Gemächlich machen wir uns auf den Weg Richtung Meteora-Klöster.
Unsere Fahrt führt uns zurück über Thessaloniki nach Larissa. Unser ViaMichelin-Reiseführer empfiehlt uns die Ausfahrt "Makrihori, Lharissa". Wir verlassen die Autobahn aber bei der ersten Ausfahrt Larissa. Aus diesem Grund müssen wir ein Stück in die Stadt hineinfahren. Dies erweist sich als gute Alternative. Zusammen mit dem GPS und den Wegweisern kommen wir gut durch und finden problemlos den Weg Richtung Trikala. Von dort sind es nur noch ungefähr zwanzig Kilometer bis zu unserem heutigen Ziel Kalambaka am Fusse der Meteora-Felsen. Ich habe dort den EOT-Campingplatz Philoxenia ausgewählt, der sich ungefähr zwei Kilometer vor der Ortschaft direkt an der Durchgangsstrasse befindet. Auch hier ist wieder festzustellen, dass die Saison noch nicht begonnen hat. Die Anlagen sind noch nicht geputzt und warmes Wasser gibt es keines. Wir sind auch fast die einzigen Gäste auf dem Platz (ca. 60 Stellplätze). Von der Lage her würde ich bei einem nächsten Aufenthalt wahrscheinlich eher den Camping Kalambaka wählen. Dieser liegt etwas oberhalb des Dorfes auf dem Weg zu den Meteora-Klöstern und dürfte etwas ruhiger (kein Durchgangsverkehr) sein.
Am Abend fahren wir ins Dorf und suchen vergebens die Taverna O Platanas, die im Reiseführer erwähnt wurde. Dafür finden wir uns schlussendlich in einer Taverne im Hinterhof inmitten eines Rudels russischer Gruppen-Touristen wieder. Diese bringen den Wein in Einkaufstüten gleich selber mit! Die Reiseleiterin "füdelt" ständig zwischen den Tischen hin und her und regt mich richtig auf.
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Dienstag, 24.06.03

Heute vormittag gehen wir zu den Mönchen. Da wir im Reiseführer gelesen haben, dass ab neun Uhr die Cars Richtung Klöster unterwegs sein werden, starten wir um gut halb Neun unser "Schnüüfi" und fahren los. Diese Taktik ist goldrichtig, sind doch nachher Dutzende von kleineren bis ganz grossen Cars auf den schmalen Strassen unterwegs. Wir beginnen unsere Tour ganz oben beim Kloster Metamorphosis. Allein schon die Fahrt dorthin ist sehr eindrucksvoll. Das schmale Teerband schlängelt sich Hügel um Hügel und Kurve um Kurve nach oben. Apropos Kurven: Der direkt vor uns fahrende Wasser-Tankwagen scheint vergessen zu haben, den Deckel zu schliessen. In jeder Kurve und bei jeder Bodenwelle schwappt wieder eine grössere Portion des kostbaren Nass aus dem Tank. Aus diesem Grund muss ich mit Abstand zum Laster fahren und kann lange nicht überholen.

Leider ist das Metamorfosi-Kloster heute geschlossen. So können wir die Anlage nur von aussen besichtigen und filmen. Hier auf dem höchsten Punkt und Beginn des Besichtigungs-Pfades treffen wir auch schon auf die Souvenir-Läden. Wer kauft hier oben schon eine Glocke? Nach dem Eintreffen der ersten Busse verlassen wir diesen Platz und fahren zum nächsten Kloster. Auf dem Parkplatz vor dem Kloster Varlaam wieder das selbe Bild. An Souvenir-Ständen wird Kitsch aller Art angeboten. Eine Gruppe per Bus eingetroffener Jugendlicher deckt sich mit Dolch- und Pistolen-Imitationen ein. Muss dies sein vor einem Kloster?? Nach Entrichtung der bescheidenen Eintrittsgebühr besichtigen wir im kleinen Museum die vorhandenen Kunstschätze. Hier findet man Silberkreuze aller Art, prunkvolle Messgewänder, wunderschöne handgeschriebene Bücher mit herrlichen Silbereinbänden und allerlei andere Kostbarkeiten. In der Kirche fallen uns neben den vielen Fresken auch die eindrucksvollen Kerzenleuchter auf.

In einem Raum neben der Küche steht ein ganz besonderes Stück: Ein 13'000 Liter fassendes Weinfass aus dem 16. Jahrhundert.

Die Frage, welche uns bei allen Klöstern immer wieder beschäftigt: Wie wurden diese Klöster errichtet? Im vierzehnten Jahrhundert gab es ja noch keine Helikopter, um überhaupt auf die imposanten Felstürme zu gelangen. Die damaligen Mönche mussten ganz ausgezeichnete Kletterer gewesen sein. Im Weiteren kann man sich auch kaum vorstellen, wie die Gebäude gebaut werden konnten, stehen doch alle Klöster auf hohen Felstürmen. Metamorfosi liegt zum Beispiel rund 400 Meter über Kalampaka.

Es würde wohl zu weit führen, wenn hier alle Details zu den besuchten Klöstern aufgeführt würden. Als Abschluss möchte ich hier noch die Begegnung mit dem Mönch Ioannis? im Kloster Agia Triada erwähnen. Unmittelbar nach Betreten des Klosters nahm er uns im Seilwindenturm in Empfang. Seine Begrüssung lautete: "Deutsch, Englisch"?, "trinken Kaffee"? Nach dem Servieren des Ellenik Coffee (selbstverständlich mit einem Glas Wasser) kam dann eine rege (in relativ verständlichem Deutsch geführte) Befragung in Gang. So hiess es: "Name ihres"?, "ich Ioannis"!, "Familie"?, "wieviel Kinder"?, "Katholisch"?, "Protestantisch"?, "ich Orthodox"!, "was Arbeit"?. Im Verlaufe dieser Befragung erklärte er uns, dass er seit dreiunddreissig Jahren hier oben lebe. Seine ganze Familie sei damals bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Mit grossem Stolz erklärt er uns, dass sie sehr modern eingerichtet seien, hätten sie doch Strom und das Wasser werde von Kalambaka heraufgepumpt.Als wir ihm zum Abschied die Hand reichen, ist er ganz gerührt und küsst mir die Hand.

Bei brütender Hitze (etwa 36 Grad im Schatten) müssen wir natürlich noch die 140 Stufen vom Kloster hinuntersteigen.
Zum Schluss sei noch ein Zitat aus dem Buch "METEORA, Die heiligen Felsen und ihre Geschichte" betreffend den Zugang zu den Klöstern erlaubt:
"Die ersten Eremiten errichteten sich Gerüste, um die Felsen zu besteigen und stützten sie auf Holzbalken, die sie in Felsspalten verkeilten. Bis heute haben sich Reste davon erhalten.
Später wurden die Gerüste durch lange Strickleitern ersetzt, die allein schon durch den Anblick Schwindel hervorriefen. Wenn man es nicht wagte, die Leitern hochzusteigen, wurde man in einem Netz mit einer Seilwinde hinaufgezogen. Eine halbe Stunde dauerte dieser Aufzug, eine halbe Stunde voller Angst und Schrecken. Der kalte Schweiss brach einem aus, wenn das Netz sich über der Tiefe im Kreis drehte, sobald es abgehoben hatte, und das Seil auf der Winde knirschte, als ob es jeden Moment reissen und einen in den Abgrund fallen lassen wollte."

Der spätere Nachmittag dient nach den Strapazen wieder einmal der Erholung. Auch der Himmel verdunkelt sich je länger je mehr. Ob es wohl heute regnen kommt? Wir fahren nur noch schnell nach Kalampaka, um uns mit dem Allernötigsten für ein kaltes Essen vor dem WoMo einzudecken. Heute wollen wir keinen Touristen-Rummel.
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Mittwoch, 25.06.03

Die Hitze gestern hat uns ausgelaugt, da es trotz der vielen schwarzen Wolken und dem Dauergrollen doch nicht regnete. Gestern um Mitternacht hatten wir immer noch Temperaturen von 24 Grad aussen und 26.5 Grad innen. Heute morgen waren es dann "nur" noch 21 und 23.5 Grad!! Also sitzen wir im Schatten und geniessen den schönen Tag. Die Temperaturen betragen auch hier tagsüber wieder um die 35 Grad.
Heute nachmittag werden die Wolken immer dichter und schwärzer. Plötzlich kommt auch noch ein böiger Wind auf. Meiner Meinung nach die typischen Vorboten eines Gewitters. Diesmal behalte ich recht, fängt es doch plötzlich stark an zu regnen. Wie herrlich die nasse Erde duftet! Auch sinkt die Temperatur um ein paar wenige Grade. Jedesmal wenn ich glaube, alles sei vorüber, trockne ich Tisch und Stühle ab und will wieder nach draussen sitzen. Aber Petrus hat kein Erbarmen mit mir und öffnet die Schleusen erneut. Nach dem dritten Versuch klappt es dann endgültig, und wir können bei der untergehenden Sonne noch den Abend im Freien geniessen.

Wir haben festgestellt, dass direkt hinter unserem Wohnmobil ein Vogel-Schlafbaum steht. Um ungefähr viertel vor Neun wird es dort plötzlich sehr laut. Aus allen Richtungen fallen schwarmweise die Vögel ein. Bis ungefähr zwanzig nach Neun ist ein Riesen-Geflatter und -Gezwitscher. Plötzlich verstummen die Vögel, wie wenn jemand das Radio ausdrehen würde. Wenige Augenblicke später beginnen dann die Zikaden ihr Nachtkonzert.


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Donnerstag, 26.06.03

Nach dem Morgenessen verstaue ich unser "Schnüüfi"-Töff wieder im Bauch von "Schnuuf". Dabei werde ich vom alten Mann beobachtet, der seit gestern den Platz am putzen ist. Plötzlich kommt er her und fragt mich: "Elvetos?". Auf mein Bejahen hin versucht er mir in kaum verständlichem Deutsch etwas zu erklären. Als er mir irgendwelche Zahlen auf italienisch nennt, sage ich sofort "Si". Er fängt an zu strahlen und fragt mich: "Parla italiano?". Ja, jetzt klappt es plötzlich, wir haben unsere Sprachen synchronisiert. Aus der nun verständlichen Diskussion ergibt sich, dass er zwei Jahre in der Schweiz (bei Heberlein in Wattwil) gearbeitet hat. Da seine Vorgesetzten alles Italiener gewesen seien, habe er halt in der Schweiz ein wenig italienisch gelernt. Nach einem kurzen Gespräch verabschiede ich mich von ihm, da ich an der Reception noch den Pass abholen und für unseren Aufenthalt bezahlen muss. Leider gilt es heute morgen, die letzte Griechenlandetappe in Angriff zu nehmen. Diese wird uns über den Katara-Pass nach Ioannina und weiter nach Igoumenitsa führen. Bei der Wegfahrt vom Campingplatz stehen der Chef und der alte Putzmann am Strassenrand und verabschieden uns winkend.
Entgegen unseren Befürchtungen haben wir recht wenig Verkehr über den Katara-Pass. Die wenigen Bitumen-Laster die wir bis zur Passhöhe antreffen, kriechen zwar mit weniger als zwanzig Stundenkilometern den Berg hoch. Da hier der Gegenverkehr noch sehr schwach ist, gelingt es bald, die Schnecken RECHTS liegen zu lassen. Nach der Passhöhe, auf der gerade die Strasse neu geteert wird, geht es dann zügig die Gefällstrecke hinunter. Hier ist nun der Gegenverkehr schon viel stärker. Nach unserer Meinung sind dies die ersten Urlauber, die heute morgen mit dem Schiff in Igoumenitsa eingetroffen sind. Uns gelingt es, neben den vielen Franzosen und Deutschen auch ein paar wenige Schweizer zu identifizieren. Auf dieser Seite des Passes sind deutlich mehr Lastenzüge unterwegs. Trotz des stärkeren Gegenverkehrs haben wir aber auch jetzt keine Probleme sie zu überholen. Es ist sehr interessant, die grossen Baustellen neben der Passstrasse zu beobachten. Hier wird ein grosser Teil des Katara-Passes durch die im Bau befindliche Autobahn "unterkellert" und "überbrückt" werden. Was für ein Vergnügen, dannzumal mit dem WoMo über den "Laster-freien" Pass zu fahren. Da wir zeitlich sehr gut unterwegs sind, beschliessen wir, irgendwo nach Ioannina einen ebenen Abstellplatz zu suchen. Wir finden ihn neben einem Marmor-Denkmal, wo auch ein schattenspendendes Rasthäuschen zum Verpflegungshalt einlädt. Nach der Pause nehmen wir den endgültig letzten Griechenland-Abschnitt in Angriff. Eigentlich müssten wir doch jetzt bald... Ja, hier kommt der Dorfeingang von Vrossina in Sicht. Hier hatten wir vor zwei Jahren den ersten wortwörtlichen Kontakt mit der griechischen Küche. Wir machten damals Halt bei der Taverne, die gegenüber der Tankstelle liegt. Auf unsere Frage nach der Speisekarte hiess es damals ab in die Küche und in die Töpfe schauen! Nach der Ortsdurchfahrt geht es nochmals ein Stück den Berg hinauf und dann kommt noch ein besonderer Augenblick: Jetzt führt die Strasse in unzähligen Kehren (fast wie auf einer Schweizer Passstrasse) den Berg hinunter. Am liebsten würde ich nochmals "Schnüüfi" ausladen und diese Kehren mit dem Motorrad hinunterbrausen! Doch genug der Träumereien. Wir sind in Igoumenitsa angekommen, und müssen nun noch den richtigen Platz im Hafen finden. Zum Glück weiss ich von unserem Motorrad-Trip her, dass wir ganz ans Ende des neuen Hafens fahren müssen. Dort ist auch das Hauptbüro der Superfast Ferries beheimatet. Wir erledigen schnell den Check-In und suchen uns dann einen Platz, wo wir unser WoMo bis zum Einschiffen abstellen können. In unserer Sauna (ungefähr 40 Grad) probieren wir die Wartezeit mit ein paar Partien Backgammon zu überbrücken. Da an der brütenden Hitze keine Konzentration möglich ist, müssen wir die Übung abbrechen und nach draussen flüchten. Beim nächsten Mal werden wir ganz hinten bei der Hafenausfahrt einen Platz suchen. Dort könnte man wenigstens durch sämtliche Fenster-, Tür- und Dachöffnungen den Wind zirkulieren lassen. Endlich, um bald zwanzig nach sieben Uhr abends trifft die Fähre aus Patras ein! Diesmal werden wir wohl keinen Balkon-Platz auf dem Campingdeck ergattern, sind doch sicher schon viele Fahrzeuge in Patras eingeladen worden. Weit gefehlt: Wir sind ja im Computer erfasst und so wurde auch die Gasse bis ganz vorne im Campingdeck freigehalten. Wir stehen wieder in der zweiten Reihe! Sofort Strom angeschlossen und dann ab unter die Dusche. Unser Campingdeck ist nämlich mit jeweils drei feudalen Duschkabinen für Männlein und Weiblein ausgestattet. Nach der sauer verdienten Abkühlung und Erfrischung kann man wieder mal frische Kleider anziehen, damit man sich beim anschliessenden Nachtessen im SB-Restaurant so richtig wohl fühlen kann. Nach dem Essen setzen wir uns noch eine Weile auf das Open Deck, wo wir den Ausblick auf Meer, Land und Wohnmobile geniessen können. Dann ziehen wir uns zur Nachtruhe ins WoMo zurück. Das Meer ist heute nicht so ruhig wie bei der Herfahrt, doch wir werden trotzdem gut schlafen können.
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Freitag, 27.06.03

Was soll das? Beim Erwachen stellen wir fest, dass das Schiff ziemlich unruhig das Meer durchpflügt. Und was ist das für ein Geräusch auf dem Wohnmobil-Dach? Tatsächlich, es regnet! Sobald wir uns aus der Horizontalen erheben, merken wir, dass der Seegang noch stärker ist, als wir meinten. Kommen jetzt doch noch die Pillen gegen Reisekrankheit zum Einsatz? Wir hoffen nicht. Nach der Morgentoilette bahnen wir uns breitbeinig den Weg ins SB-Restaurant. Dort stellen wir unser Frühstück zusammen und suchen uns einen freien Tisch. Wenn wir uns so umblicken, sehen wir doch einige nicht so ganz taufrische Gestalten. Liegt es an zu viel Alkohol in der vergangenen Nacht, oder am starken Seegang? Während dem Morgenessen haben wir dann das Niederschlagsgebiet wohl endgültig hinter uns gelassen. Plötzlich bricht die Sonne hervor und allmählich beruhigt sich auch das Meer wieder etwas. So ziehen wir uns nochmals aufs Open Deck zurück. Wir geniessen die Morgensonne und beobachten, wir unter uns die ersten Camper nervös werden. Plötzlich wird angefangen zusammen zu räumen und es werden rundherum Scheiben geputzt. Und dies alles bereits anderthalb Stunden vor der Ankunft in Ancona. Wir lassen uns noch eine ganze Weile Zeit, bis auch wir das Open Deck endgültig verlassen. Nach der Ankunft im Hafen müssen wir fast eine Stunde warten, bis wir um elf Uhr von Bord fahren können. Unter uns werden nämlich die Lastzüge einer intensiven Kontrolle durch die Polizei unterzogen. Wir konnten dieses Schauspiel, bei dem auch Drogenhunde eingesetzt wurden, bereits beim Warten vor der Abreise aus Ancona mitverfolgen.
Unser heutiges Ziel ist San Marino. Wir beabsichtigen, das WoMo auf dem Campingplatz abzustellen. Dann wollen wir mit der Seilbahn hochfahren und ein Grappa-Shopping veranstalten. Wir haben nämlich letzten Herbst dort oben einen geschmacklich und im Preis-/Leistungsverhältnis hervorragenden Grappa di Moscato gefunden. Leider versäumten wir es damals, mehr als eine Flasche mitzunehmen. Diesmal wollen wir es besser machen! Kurz vor San Marino entwickelt sich plötzlich eine Diskussion. Wieso bleiben wir nach dem Einkaufen überhaupt dort? Wir könnten doch anschliessend weiterfahren, da wir ja gut ausgeruht sind. Also entschliessen wir uns, das Programm wieder einmal anzupassen. Aus diesem Grund versuche ich auch, mit dem WoMo bis möglichst weit nach oben zu fahren. Als ich oben den Car-Parkplatz (Nummer 5) ansteuern will, werde ich von der Frau im Billet-Häuschen gestoppt. Sie erklärt mir, dass ich hier nicht parkieren könne. Für Wohnmobile sei nur der Parkplatz Nummer 10 erlaubt. Dies hiess nochmals ein ganzes Stück zurückfahren. Nach diversen Problemen (Ansteuern von Nummer 9, wenden in schmaler Einbahnstrasse, etc.) finden wir uns endlich auf dem richtigen Parkplatz wieder. Feudalerweise können wir dann von dort mit diversen Aufzügen bis hinauf ins "centro storico" fahren. Rasch ist unser Grappa-Laden gefunden. Der Verkäufer ist ganz erstaunt, dass wir uns so zielstrebig auf seinen Grappa mit der goldenen Etikette stürzen und die Flaschen auf die Theke stellen. Er fragt uns, ob wir schon einmal hier gewesen seien. Nachdem ich ihm erkläre, dass wir letzten Herbst leider nur eine Flasche mitgenommen hätten, ist er ganz begeistert von uns. Er bietet uns sofort einen gut gekühlten Lemoncello an, den wir gerne akzeptieren. Er wünscht uns zum Schluss eine gute Reise und bittet uns, wiederzukommen wenn der Vorrat erschöpft sei!
Nachdem unser neuer Notvorrat bruchsicher verstaut ist, machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Heimat. Wir stellen unterwegs fest, dass wir eigentlich froh sind, dass wir Richtung Norden fahren dürfen!
Auf der Gegenseite stauen sich die Fahrzeuge dreispurig rund um Bologna und später auch die ganze Umfahrung von Milano. Um ungefähr neunzehn Uhr haben wir die Grenze in Chiasso passiert. Da wir so zügig vorwärts kommen, wird unser Reiseplan nochmals über den Haufen geworfen. Wir beschliessen deshalb, nicht nach Tenero auf den Campingplatz zu fahren, sondern den San Bernardino zu passieren und in Nufenen den Nachtessen-Halt einzulegen. Anschliessend können wir uns ja einen Platz zum wild campieren suchen. Vor den Bernardino-Tunnel müssen wir dann eine halbe Stunde warten, da wegen der Bauarbeiten im Tunnel der Verkehr richtungsgetrennt geführt wird. Um viertel vor Zehn ist auch das Abendessen erledigt. Gut gestärkt entschliessen wir uns zur letzten Programmänderung: Wir fahren direkt nach Hause, statt noch einen Übernachtungsplatz zu suchen. So kommen wir um Schlag dreiundzwanzig Uhr in Mollis an.
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